„Bauch“ vor „Kopf“ war nicht nur im Oktober das Motto, sondern auch im November. Zusätzlich ging es noch um das Streben nach Vollendung. Ein Blick in die Welt lässt mich ahnen, dass dieses Streben viele nicht zur Vollendung gebracht hat, sondern eher zum Ende.
Da stand zunächst die Prachtstraße der hessische Landeshauptstadt Wiesbaden mächtig unter Wasser (www.fr-online.de/fran…sser.html). Nein, kein Abenteuerspielplatz für Taucher. Nur eine Probebohrung für die Nutzung von Erdwärme.
Dabei wurde in 130 m Tiefe ein Wasserreservoir angebohrt. Nur gut, dass es „nur“ eine Probebohrung war. Nicht auszudenken, wenn es eine echte Bohrung gewesen wäre . . .
Vielleicht hätten die mal jemanden fragen sollen, der oder die sich im Umgang mit unterirdisch fließendem Wasser und mit Ruten und Tensoren auskennt.
Wegen Depressionen war Nationaltorwart Robert Enke mehrere Monate lang in therapeutischer Behandlung, bevor er sich selbst das Leben nahm, indem er sich vor einen fahrenden Zug warf (www.spiegel.de/sp…73,00.html).
Tragisch, wirklich sehr tragisch. Sehr viele sind ergriffen, bestürzt, können es nicht fassen. Für unsere Medien wieder ein gefundenes Fressen, jede Menge z.T. selbst ernannte Experten durften sich in Szene setzen, mehr oder weniger geistvoll eigenen Senf hinzu geben.
Auch die politische Spitze unseres Landes gab sich volksnah, unsere Frau Kanzlerin und ihr Sportminister (www.handelsblatt.com/ma…82308). Aber wieso, verdammt noch mal, redet keiner über den bedauernswerten Lokführer, vor dessen Zug Herr Enke sich geworfen hatte???
Wie lebt der Lokführer mit diesem Erlebnis, als er den Selbstmordkandidaten plötzlich vor seiner Lok hat auftauchen sieht, eine Vollbremsung einleitet, wohl wissend, dass er trotzdem nicht mehr rechtzeitig zum Stehen kommt? Nicht spektakulär genug? Der Lokführer, kein Promi? Gibt nicht genügend her für ‘ne reißerisch aufgemachte Story oder Sendung? Beschämend!!!
Herr Jung trat zurück. Mal wieder. Langsam hat er ja Erfahrung damit. Dieses Mal als Verteidigungsminister, der er zum Zeitpunkt seines Rücktritts nicht mehr war. Lieber spät als gar nicht? Damals rettete er in der Spendenaffaire dem hessischen Ministerpräsidenten Koch den Hals.
Wessen Hals rettete er dieses Mal? Oder wollte er einfach wieder heim an den heimelich hessischen Herd um sich dort Herrn Koch erneut zu verdingen? Oder ist er tatsächlich wegen (eingestandener?) Inkompetenz zurückgetreten? Wie dem auch sei, Frau Kanzlerin bildete flink ihr Kabinett um.
Auch das Familienministerium wurde neu besetzt. Neue Familienminsterin wurde Kristina Köhler, 32, ledig, keine Kinder. Mit solchen Voraussetzungen hätte in der Industrie niemand so einen Job bekommen, so ganz ohne Berufserfahrung. Für mich fällt das in die gleiche Kategorie wie die im Zölibat leben Priester, die heiratswilligen Paaren Eheunterricht erteilen.
War also viel los, im November. Schaun mer amoal, was der Dezember für uns bereit hält.
Auf den Kopf wird er nichts mehr stellen, der Dezember. Weltbewegend neue Themen kommen nicht mehr dazu, im Dezember. Beschaulicher wird er, der Dezember.
Passend zur Jahreszeit. Besinnlicher. Und vielleicht noch scheinheiliger als sonst. Besinnlichkeit und Besinnung auf das Wesentliche und das Wahre, darum geht es. Viele – richtig, es geht mal wieder um die anderen – werden sich aber vor lauter Nachdenken über die Besinnlichkeit in die Handlungsunfähigkeit schießen.
Vor lauter Gedanken keinen klaren Gedanken fassen können: keiner weiß, was er soll, jeder macht, was er will und alle machen mit. Geistige Windstille ist das wahrlich nicht, auch wenn operative Hektik die Folge sein wird. „Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen“, sagt der Volksmund.
Gedanken werden bei einigen dermaßen ins Kraut schießen, dass wir uns für diese ZeitgenossenInnen betreutes Denken wünschen. Versprochen wird viel werden, gehalten, wie so oft, sehr viel weniger. Wer über’s Ziel hinausschießt, hat es doch erreicht? Irgenwie. Oder?!
Lassen wir uns doch einfach davon nicht anstecken und halten uns von den anderen fern. Bleiben wir einfach bei uns und unserem „Bauch“. Das sollten wir wirklich lernen, denn das wird das Grundthema auch in den kommenden Jahren sein. Zu all dem, was noch dazu kommt. Dazu später an dieser Stelle mehr.
Tja, hammas mal wieder geschafft und wieder ein Jahr rumgekriegt. Genießt das, was Ihr erreicht habt und grämt Euch nicht über das, was Ihr in den Sand gesetzt habt. Lasst das Euch aber unbedingt eine Lehre sein. Der Kopf kann ruhig in den Wolken stecken, wenn gleichzeitig beide Beine fest auf der Erde stehen. Bleibt Euch selbst treu und geht Euren Weg unbeirrt. Selbst wenn das heißt: vorwärts, ich muss zurück!
Gehabt Euch wohl!
Bodo Trieb
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