Nachdem ich derzeit oft nach geeigneten allgemeinen Einsteigerbüchern zum Thema Feng Shui gefragt werde, mal wieder etwas für den Laien. Und zwar „Das Feng Shui Praxisbuch“ von Derek Walters.
Die Einleitung von Derek Walters bringt es gleich auf den Punkt, er vergleicht Feng Shui mit Musik. Erst die richtige Anordnung der einzelnen Töne gibt ein harmonisches Gesamtbild, ansonsten entsteht nur Chaos. Analog zur Musik entsteht erst durch das korrekte Zusammenspiel von Mensch und Raum ein gewinnbringendes Ergebnis.
Gleich zu Anfang weist er darauf hin, dass Feng Shui nichts mit wildem Dekorieren mit Flöten und ähnlichem Zeug zu tun hat, sondern die Gesamtheit einer Umgebung betrachtet und eine solide Ausbildung erfordert.
Den Einstieg in die komplexe Materie Feng Shui findet er über das Konzept von Yin und Yang mit einer der besten Erklärungen dieses Denkmodells die ich je in einem deutschsprachigen Buch gelesen habe. In wenigen Absätzen entmystifiziert Walters nicht nur den Begriff, er zeigt auf dass gar unsere westliche Wissenschaft darauf basiert und erklärt wie Yin und Yang korrekt angewandt werden.
Bei dem Begriff des Qi geht es genauso eindrücklich weiter. Obwohl man den begriff Qi noch weniger übersetzen kann als das bei Yin und Yang der Fall ist, schafft er doch auch hier Klarheit.
So vergleicht er Qi mit Wasserdampf in einer Küche oder Motoröl in einem Auto. Banal aber überraschend treffsicher.
Die Begriffe atmosphärisches Qi und Beleuchtendes Qi fand ich erstmals in diesem Buch und auch die erste wirklich logische Erklärung, warum ein Flur der von vorne bis hinten durch ein Haus führt nicht günstig ist. Das hat hauptsächlich mit dem Lichteinfall zu tun, der in den nachfolgenden Absätzen sehr detailliert betrachtet wird.
Es folgen einige einführende Erklärungen zum Begriff des Sha, oder Sha Qi, die auch dem westlich denkenden Menschen einleuchten dürften.
Nach diesen eher theoretischen Grundlagen geht es in die Praxis, es werden allgemeine Haus- und Wohnungsstrukturen behandelt, es gibt praxisnahe Beispiele die auch der Laie umsetzen kann.
Weiter geht es mit dem Modell der fünf Elemente. Eine allgemeine Einführung dazu beschäftigt sich vergleichend mit weiteren ähnlichen Systemen der vier oder sechs Elemente. Walters erklärt auch den Fehler im Namen Fünf Elemente die eigentlich fünf Gehweisen heißen müssen.
Die Herleitung der Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, der Farbe und der astrologischen Tiernamen wird nun behandelt. Die Formen der Elemente werden erläutert, gefolgt von einem kurzen Ausflug in die TCM mit Zusammenhang zwischen Organen, Qi und Raum.
Ein kurzer Ausflug in die Kompassmethoden startet Derek Walters mit der Methode der sieben Vorzeichen und den acht Bereichen des Bagua.
Einige Erklärungen zur Ermittlung der Himmelsrichtungen gibt es ebenfalls, inklusive Kompass, Karte und Sonne. Google-Earth wird nicht genannt, aber dafür gibt es ja meinen soeben in Feng Shui Aktuell erschienenen Artikel zur Kompassmessung.
Einen separaten Platz im vorliegenden Buch bekommt das Feng Shui im Geschäftsbereich. Walters stellt hier deutlich klar, dass die Anwendung des Feng Shui im heimischen Wohnzimmer eher eine Modeerscheinung des Westens ist.
Feng Shui wird in Asien schwerpunktmäßig im geschäftlichen Bereich angewandt und hier zur Steigerung des unternehmerischen Erfolges. Harmonie und Wohlbefinden sind eigentlich Randerscheinungen des Feng Shui, es geht hauptsächlich um Geld. Die nun folgenden Erklärungen sind zwar interessant, aber leider nur sehr oberflächlich.
Ergänzt werden die Ausführungen Walters noch mit Möglichkeiten der Zuordnung von Personen zu Elementen über KUA-Zahl und einer Monatszahl und deren Interaktion mit dem Raum. Gut verständlich für den Einsteiger wird das vermittelte Wissen nun noch einmal Raum für Raum durchgegangen. Freilich sehr allgemein gehalten aber für den Laien sofort umsetzbar.
Das Buch schließt mit einer Checkliste für Häuser und Räume, einigen hilfreichen Übersichtsdiagrammen und einem Abriss der geschichtlichen Entwicklung des Feng Shui.
Fazit:
Als Einsteigerbuch durchaus zu empfehlen. So manche neue Möglichkeit der Erklärung komplexer Begriffe lernt auch der Fachmann daraus noch kennen.
Derek Walters versucht die Denkmodelle des Feng Shui für den Westmenschen verständlich darzustellen, was ihm auch teilweise gut gelingt. Teilweise schrecken die dann doch wieder durchbrechenden chinesisch-blumig-esoterischen Beschreibungen wieder ab.
Der Laie wird mit diesem Buch nicht in die Lage versetzt, Beratungen zu geben. Der potentielle Kunde wird aufgrund der asiatisch-ungewohnten Denkmodelle und ihrer bildhaft-unbeholfenen Erklärung nicht davon überzeugt werden, dass ihm Feng Shui schlicht mehr Geld bringt.
Ansonsten bewegt sich das Buch sicher durch die Grundlagen des Feng Shui, komplexere Berechnungsmethoden werden leider überhaupt nicht erwähnt.
Als Einsteigerbuch, um den absoluten Beginner an die Materie heranzuführen ist es gut. Ein Fachbuch ist es nicht.
Der Autor:
Derek Walters ist ein großer Kenner der chinesischen Kultur. Ursprünglich Musikwissenschaftler und Dirigent, entdeckte er frühzeitig seine Liebe zur Weisheit und Lebensart Chinas. Durch intensives Studium bei taoistischen Meistern erwarb er umfangreiche Kenntnisse der chinesischen Traditionen.
Nach seinen Arbeiten zur Astrologie und dem I Ging stellt er nun das geomantische Wissen der Chinesen in seinen Wurzeln dar.
Derek Walters, Das Feng Shui Praxisbuch
2003. 255 Seiten
Format 20,9 x 17,7 x 2,5 cm. Gebunden.
€ [D] 12,90; € [A] 13,30; SFr 23,80
ISBN-10: 3-502-61081-9
ISBN-13: 978-3502610816
Gerhard Zirkel
Analyse von Raum-Mensch-Beziehungen
www.feng-shui-direkt.de
www.feng-shui-suche.de
Ähnliche Artikel:







