Hallo liebe Leser,
ich bin hier das Greenhorn unter den Autoren.
Mein Fachgebiet ist das I Ging. Mit diesem Thema beschäftige ich mich seit 1993 sehr intensiv. Dem Wunsch von Gerhard bin ich gerne nachgekommen, mein Wissen aus der Welt der Yin- und Yangstriche mit einzubringen.
Beginnen möchte ich mit der Geschichte, wie ich zum I Ging kam. Denn das I Ging hat mein Leben völlig auf den Kopf gestellt.
Mein Weg zum I Ging
Im Jahre 1993 fiel mir zufällig das Buch „I-Ging: Das Buch der Wandlung“ in einer Buchhandlung in die Hände. Ich fing an zu lesen und war erstaunt über die detailreiche und kraftvolle Sprache, auch wenn ich vieles nicht verstehen konnte. Ich musste dieses Buch kaufen, auch wenn mir alles buchstäblich chinesisch vorkam. Es übte eine Anziehung auf mich aus, wie ich es noch nie bei einem Buch erlebt habe.
Das I Ging wie ein herkömmliches Buch zu lesen, war nicht möglich, also benutzte ich die Fingertechnik. Ich steckte dazu spontan den Finger irgendwo ins Buch und fing auf dieser Seite an zu lesen. Jetzt geschah etwas Merkwürdiges. Diese willkürliche Auswahl passte immer zu meinen aktuellen Gedanken oder zu meiner derzeitigen Lebenssituation. Ich wurde immer wieder bereichert, verstand vieles nicht, spürte aber immer eine heilsame Wirkung. Wie das I Ging zu mir sprach, war vertraut und unbekannt zugleich. Langsam begriff ich, dass es in versteckter Form alle Gesetze des Lebens beinhaltete. In dieser Anfangssituation nutzte ich das I Ging sporadisch, dann kam einige Monate später ein Erlebnis, das mich endgültig in diese für mich neue Welt brachte.
Mein Geld verdiente ich zu diesem Zeitpunkt als freiberuflicher Führungs- und Verkaufstrainer. Eine Firma hatte mir einen finanziell sehr lukrativen Auftrag in Aussicht gestellt, wenn mehrere Testseminare erfolgreich verlaufen würden. Das erste Seminar verlief sehr gut, und ich ging mit Optimismus ins zweite Seminar. Hier war auf einmal alles anders. Von Anfang an regte sich Widerstand der Teilnehmer gegen meine Arbeit, es wurde viel diskutiert und wenig geleistet. Meine sonst übliche erfolgreiche Vorgehensweise in solchen Situationen führte diesmal nur bei wenigen der „stillen“ Teilnehmer zum Erfolg. Am Ende des ersten Seminartages war mir klar, dass ich diesen Auftrag nicht bekommen würde, wenn sich die Arbeitshaltung in der Gruppe nicht grundsätzlich änderte. Deshalb kündigte ich den Teilnehmern an, eine kurze Rede zum Abschluss des Tages zu halten, den Raum im Anschluss daran direkt zu verlassen und erst am nächsten Tag um 9.00 Uhr wieder mit ihnen zu sprechen. (Ich wollte nicht nochmals in kräftezehrende Diskussionen verstrickt werden). In meiner Rede zum Ende des ersten Seminartages betonte ich, mit meiner Weisheit am Ende zu sein und sagte: „Die „Stillen“ sollen sich überlegen, warum sie sich von den „Lauten“ bevormunden lassen. Die „Lauten“ sollen darüber nachdenken, warum sie die „Stillen“ unterdrücken und alles Konstruktive zerreden. Ein solches System haben wir in Deutschland schon einmal gehabt.“ Ohne weitere Diskussion verließ ich den Seminarraum. Als ich im Auto saß, wurde mir die Tragweite meiner kurzen, autoritären Rede bewusst, und ich war unsicher, was kommen würde. In dieser Firma hatte ich auf der Geschäftsführungsebene noch keinen Rückhalt, da ich hier ein Neueinsteiger war.
Geplagt von Sorgen fuhr ich nach Hause und erinnerte mich daran, dass man mit dem I Ging Befragungen durchführen kann. Bisher hatte ich solche Vorgehensweisen als Unfug abgelehnt.
Mühsam erschloss ich mir diese Methode und wandte sie an. Ich erhielt das Zeichen „Das Warten“ mit der fünften Linie. Also lese ich unter anderem folgenden Kommentar aus Richard Wilhelm:
„Solange die Zeit noch nicht erfüllt ist, soll man nicht sorgen und durch eigenes Machen und Eingreifen die Zukunft gestalten wollen, sondern in Ruhe Kraft sammeln durch Essen und Trinken für den Leib, durch Heiterkeit und Guter-Dinge-Sein für den Geist. Das Schicksal kommt ganz von selbst, und dann ist man bereit.“
Und der Kurzkommentar der fünften Linie verstärkte es noch:
„Warten bei Wein und Speise.“ Ich sollte warten, essen und Wein trinken mit Heiterkeit? Über so einen Ratschlag konnte ich nur den Kopf schütteln. Ich hatte große Probleme und sollte mich freuen und den Genüssen hingeben? Wütend über mich selbst, so einen „Unfug“ aus dem I Ging geglaubt zu haben, machte ich mir jetzt große Sorgen darüber, was am nächsten Tag passieren würde.
Nach einer schlecht geschlafenen Nacht fuhr ich mürrisch zum Seminar. Entgegen meiner Gewohnheit erschien ich bewusst nicht zum Frühstück, sondern kam erst 15 Minuten vor Beginn im Hotel, in dem das Seminar stattfand, an. Ich ging direkt in den Seminarraum und sah, dass schon alle Teilnehmer anwesend waren das hatte ich noch nie bei einem zweiten Seminartag erlebt, und es gab seit dem auch keine Wiederholung! Freundlich wurde ich von den Teilnehmern begrüßt, und sie erklärten mir, dass sie meine gestrigen Abschlussbemerkungen noch heiß diskutiert hätten und dass ihnen einige Dinge klar geworden seien. Sie kamen auf den Hintergrund zu sprechen: Der Geschäftsführer hatte sie mit dem Versprechen zum Seminar eingeladen, dass keine Rollenspiele und keine Videoanalysen eingesetzt würden. Deshalb seien sie sauer gewesen, als sie erfuhren, dass ich diese Methoden in Absprache mit dem Geschäftsführer einsetzen wollte. Nach meiner Rede sei ihnen bewusst geworden, dass dies nicht mein Problem wäre, sondern sie dies mit ihrem Chef klären müssten. Sie seien jetzt bereit mitzuarbeiten, da sie gestern gespürt hätten, dass ich es ehrlich meinte. Sprachlos musste ich erleben, dass dieses I Ging recht behalten hatte und Wein zu trinken besser gewesen wäre, als zu grübeln. Dieses Seminar war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Die Teilnehmer arbeiteten jetzt hoch motiviert, so dass wir die Rückstände des ersten Tages locker aufholten und viel Freude dabei hatten.
Seitdem lässt mich dieses I Ging nicht mehr los. Es gibt beim I Ging 4.096 Kombinationsmöglichkeiten, und ich erhalte genau die, die zu meiner Situation passt. Wieso? Diese Frage haftete an mir!
Obgleich ich mich seitdem täglich mit dem I Ging befasse, kann ich diese Frage letztlich nicht beantworten. Sie ist in der Anfangsphase der wichtigste Antrieb zur Erforschung des I Gings gewesen. Im Laufe der Jahre gab mir das I Ging sehr viele wichtige Antworten auf meine Fragen. Zum Beispiel lernte ich, wie man sich von seinen „verdorbenen Dingen“ befreien kann, warum die größten Unglücke die besten Geschenke sind oder warum der schnelle, rasante Erfolg meistens das größte Unglück ist.
Das Grundprinzip des Lebens und die lebenspraktischen Erklärungen im I Ging wurden mir immer klarer.
Hubert Geurts
www.deutsches-iging-institut.de
Stichwörter:I-Ging,WegÄhnliche Artikel:







